Landeszahnärztekammer Hessen

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Zu Beginn der Ausbildung

Alle Jahre wieder .....
Beginn des Ausbildungsjahres – was ist zu beachten?


Die Landeszahnärztekammer Hessen möchte zu Beginn des neuen Ausbildungsjahres einige Ausbildungsbestimmungen aufgreifen und auf der Grundlage der entsprechenden Gesetze bzw. Richtlinien erläutern.

Auch wenn zum 1. August 2001 eine neue Ausbildungsverordnung in Kraft getreten ist, gelten weiterhin bestimmte Vorschriften in gleicher oder ähnlicher Form für die Ausbildungspraxen, auf deren Einhaltung wir besonders hinweisen möchten.


Berufsschule

Für alle Auszubildenden besteht eine gesetzliche Berufsschulpflicht. Dies gilt für die gesamte Vertragsdauer eines Ausbildungsvertrages, d.h. auch für evtl. Vertragsverlängerungen.

Die Anrechnung der Berufsschulzeiten auf die Ausbildungszeit und die Freistellung nach der Berufsschule sind im Jugendarbeitsschutzgesetz geregelt. An einem vor 9 Uhr beginnenden Unterrichtstag dürfen Auszubildende vorher nicht in der Praxis beschäftigt werden. Diese Regelung gilt auch für volljährige Auszubildende. Ansonsten sind die Anrechnung auf die Wochenarbeitszeit und die Freistellung nach der Berufsschule unterschiedlich zu handhaben, differenziert nach Minder- oder Volljährigkeit der Auszubildenden.

Volljährige Auszubildende können generell nach der Berufsschule in der Praxis beschäftigt werden. Auf die Wochenarbeitszeit werden grundsätzlich nur die tatsächlichen Unterrichtszeiten einschließlich der Pausen angerechnet.

Minderjährige Auszubildende dürfen an einem Berufsschultag mit mehr als 5 Unterrichtsstunden (also 6 oder mehr) nicht mehr beschäftigt werden. An einem zweiten ”langen” Berufsschultag oder an einem Berufsschultag mit maximal 5 Unterrichtsstunden entfällt die Freistellung.
An einem Berufsschultag mit mehr als 5 Unterrichtsstunden sind 8 Zeitstunden auf die Wochenarbeitszeit anzurechnen; an dem zweiten Berufsschultag dürfen nur die tatsächlichen Unterrichtszeiten einschließlich der Pausen auf die Wochenarbeitszeit angerechnet werden.

Hinweis:
Bei zwei Berufsschultagen mit mindestens 6 Unterrichtsstunden obliegt dem Praxisinhaber die Entscheidung, an welchem Tag die Freistellung erfolgt.


Hepatitis B-Schutzimpfung

Aus der Reihe möglicher Infektionskrankheiten ist für den zahnärztlichen Bereich die Hepatitis-B-Infektion von besonderer Bedeutung. Die Unfallverhütungsvorschrift VBG 103, die auch für Auszubildende anzuwenden ist, verpflichtet den Arbeitgeber, seine MitarbeiterInnen über Dauer und Zuverlässigkeit sowie mögliche Komplikationen von Immunisierungsmaßnahmen zu unterrichten. Die Immunisierung ist den Beschäftigten kostenlos zu ermöglichen.

Hinweis:
Die Ablehnung eines Impfangebotes durch die Beschäftigte sollte schriftlich fixiert werden.


Schutzkleidung

Die Bestimmungen der Unfallverhütungsvorschriften bezüglich Schutzkleidung, Handschuhen und Gesichts- und Kopfschutz sind auch bei Auszubildenden zu beachten. Zur persönlichen Schutzausrüstung, die in geeigneter Ausführung/Größe und ausreichender Stückzahl vom Arbeitgeber zur Verfügung zu stellen ist, zählen insbesondere:

Schutzkleidung, wenn Beschäftige den Einwirkungen von Krankheitserregern ausgesetzt sind. Für Desinfektion, Reinigung und Instandhaltung der Schutzkleidung hat der Arbeitgeber zu sorgen.

medizinische Einmalhandschuhe, wenn die Hände mit Blut, Sekreten, Eiter o.ä. in Kontakt kommen können.

flüssigkeitsdichte, ausreichend widerstandsfähige Handschuhe, wenn die Hände mit schädigenden Stoffen in Kontakt kommen können (Reinigungs- und Desinfektionsarbeiten).

Gesichts- und Kopfschutz (z.B. Brille), wenn mit Verspritzen oder Versprühen erregerhaltigen Materials zu rechnen ist.


Hinweis:
Für tarifgebundene Ausbildungsverträge verweisen wir zusätzlich auf den § 15 des Manteltarifvertrages.


Röntgen- und Strahlenschutz

Bestandteil der Abschlussprüfung ”Zahnmedizinische/r Fachangestellte/r” ist das Prüfgebiet ”Röntgen- und Strahlenschutz”. Der Nachweis ausreichender Kenntnisse berechtigt, gemäß § 18a Nr. 1 RöV, Röntgenuntersuchungen nach Anweisung und unter Aufsicht des Zahnarztes durchzuführen.

Die Auszubildende muss mit der Handhabung der Röntgengeräte, den Aufnahmetechniken, der Anwendung der Strahlenschutzbestimmungen, der Dunkelkammerarbeit, der Durchführung von Qualitäts-Sicherungsmaßnahmen sowie der Dokumentation vertraut gemacht werden. Diese praktischen Ausbildungsinhalte müssen schwerpunktmäßig in der ausbildenden Praxis durch den Ausbildenden vermittelt werden.


Ab- und Berechnung erbrachter Leistungen

Als Folge der Novellierung der Rahmenlehrpläne für den Unterricht an Berufsschulen ist bereits im ersten Ausbildungsjahr nicht nur die Einführung in die Grundkenntnisse des Abrechnungswesens vorgesehen, sondern im Rahmen des Lernfeldkonzepts werden Abrechnungsinhalte nach BEMA und GOZ mit den jeweiligen fachlichen Inhalten verknüpft. Ebenfalls wird im 2. und 3. Ausbildungsjahr darauf aufbauend weiterhin so verfahren. Dies bedeutet für die Praxis, dass mit Beginn der Ausbildung die Inhalte der Leistungsab- und berechnung vermittelt werden müssen. Die Berufsschule kann sicherlich im Rahmen der Abrechnung nur Grundwissen vermitteln, praktische Übungen und entsprechende Lernkontrollen müssen jedoch in der Praxis durchgeführt werden. Der Einsatz der Auszubildenden ausschließlich in der Leistungseingabe am Computer ist hierfür nicht ausreichend. Auch ist die Vermittlung der Kenntnisse der monatlichen und vierteljährlichen Abrechnungsmodalitäten in der Praxis durchzuführen.

Nicht in allen Ausbildungspraxen (z.B. KfO-Praxen, kieferchirurgischen Praxen) kann das Abrechnungswesen umfassend vermittelt werden. Der Ausbildende muss dafür Sorge tragen, dass die/der Auszubildende die erforderlichen Kenntnisse in einer allgemein-zahnärztlichen, vertragszahnärztlichen Praxis erlernt.


Berichtsheft / Röntgen-Testatheft

Der/die Auszubildende muss Gelegenheit haben, das Berichtsheft / Röntgen-Testatheft während der Ausbildungszeit zu führen. Sollte Hilfestellung nötig sein, und dies ist zu Beginn der Ausbildung häufig der Fall, erfolgt diese durch das Praxisteam. Der Ausbildende muss das Berichtsheft / Röntgen-Testatheft in regelmäßigen Abständen durchsehen und abzeichnen.

Das Berichtsheft / Röntgen-Testatheft ist Zulassungsvoraussetzung für die Teilnahme an der Abschlussprüfung ”Zahnmedizinische/r Fachangestellte/r”. Bei der Anmeldung zur Abschlussprüfung muss eine Bestätigung des Ausbildenden, dass das vorgeschriebene Berichtsheft / Röntgen-Testatheft geführt wurde erfolgen. Die Vorlage des Berichtsheftes / Röntgen-Testatheftes ist bei der mündlich/praktischen Prüfung erforderlich.




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Tue 8. Mar 11 12:14