Kammern in Hessen: Intensiverer Dialog mit Politik gefordert

Kammern für Ausbau der Infrastrukturen – nicht nur bei Digitalisierung
 
Wiesbaden. Wie geht es weiter nach der Landtagswahl am 28. Oktober 2018 in Hessen? Wie kann die Politik Hessens Unternehmen und Freiberufler unterstützen? Wie soll die Selbstverwaltung der Wirtschaft weiter gestärkt werden? Diese Fragen sind am Mittwoch (12. September) bei einer Gemeinschaftsveranstaltung der hessischen Kammerorganisationen mit Vorsitzenden der im Landtag vertretenen Fraktionen diskutiert worden: Mit Michael Boddenberg (CDU), Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD), Mathias Wagner (Bündnis 90 / Die Grünen) und Rene Rock (FDP). Die hessischen Kammerorganisationen waren auf dem Podium im „Haus des hessischen Handwerks“ in Wiesbaden durch Eberhard Flammer (Präsident des Hessischen Industrie- und Handelskammertages) und Dr. Heike Winter (Präsidentin der Psychotherapeutenkammer Hessen) vertreten.
 
Eberhard Flammer: Verkehrsinfrastruktur ist nicht mit Wirtschaftsentwicklung mitgewachsen
 
Eberhard Flammer machte sich vor allem für die Weiterentwicklung des Wirtschaftsstandortes Hessen stark: "Die Verkehrsinfrastruktur ist in den vergangenen Jahrzehnten bei weitem nicht mit der wirtschaftlichen Entwicklung mitgewachsen. Wir brauchen eine nach Kapazität großzügige Erweiterung bei Straße und Schiene, auch, aber nicht nur rund um Frankfurt." Wichtig sei dabei, dass Hessen in seiner gesamten Nord-Süd-Erstreckung auch mit der Schiene großzügig und hochfrequent erschlossen werde. Mit Blick auf die Fachkräfteproblematik betonte Flammer, Wirtschaft und Landesregierung müssten gemeinsam das Ansehen der dualen Berufsausbildung hervorheben und steigern. "Eine duale Berufsausbildung ist genauso viel Wert wie eine akademische Bildung. Die Betriebe können noch stärker für sich, ihr Ausbildungsangebot und die damit verbundenen Karrierechancen werben. Die Politik muss im Gegenzug für eine nachhaltig bessere Ausstattung der beruflichen Schulen sorgen – da werden die Kommunen bislang vom Land alleine gelassen, während Landesmittel fast ausschließlich in die Hochschulen fließen."
 
Heike Winter: „Überall sehnen sich Menschen nach Glück“
 
Heike Winter verdeutlichte aus der Perspektive der Heilberufe-Kammern, dass es bei Hessens Zukunft nicht nur um Autobahnen für Daten und für Verkehr sowie um Infrastruktur und Investitionen für wirtschaftlichen Erfolg geht. Hessen brauche auch eine zukunftsfähige Infrastruktur für die Gesundheitsversorgung – in den großen Städten sowie in den eher ländlichen Regionen: „Überall sehnen sich die Menschen nicht nur nach materiellem Wohlstand, sondern nach Gesundheit, innerem Frieden, gelingenden Beziehungen und möglichst dauerhaftem Glück.“ Da es zugleich viele Menschen mit Sorgen, Ängsten und Krankheiten gebe, müsse auch die Gesundheitsversorgung Hessens weiterentwickelt werden.
 
„Dialog zwischen Kammern und Politik muss intensiver werden“
 
Deshalb sei es wichtig, dass Hessens „Kammern im Dialog“ seien. Denn in der Tat stehe der Standort Hessen vor großen Herausforderungen. Die Kammern seien dabei kritische und zugleich verlässliche Partner der Politik: „Mit uns kann man reden – bei Bedarf auch im Hintergrund – alle Beteiligten tragen gesellschaftliche Verantwortung.“ Die Präsidentin der Psychotherapeutenkammer sagte im Schlusswort: „Alle haben ein Interesse daran, dass der Dialog zwischen Politik und Kammerorganisationen nach der Landtagswahl fortgesetzt und intensiviert wird: Damit wir den Standort Hessen gemeinsam voranbringen - für die Wirtschaft, die Gesundheit und das Glück der in Hessen lebenden Menschen.“
 
 
-   Die 15 Kammerorganisationen in Hessen stehen für das Prinzip der Selbstverwaltung der Wirtschaft und der Freien Berufe. Alle Kammern sind Dienstleister und Interessenvertreter für ihre Mitglieder und damit Ansprechpartner für die Politik.  Sie repräsentieren mehr als 400.000 Unternehmen und rund 100.000 freiberuflich Tätige. Rund 2,4 Millionen Menschen haben in Unternehmen der hessischen Wirtschaft und bei Freiberuflern einen Arbeitsplatz. Mehr als 100.000 junge Menschen finden als Auszubildende eine berufliche Perspektive. 

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